Reichendemo am Starnberger See

Nach der Kritik, die die schwarz-gelben Koalition schon von allen Seiten einstecken musste, jetzt auch das noch: die Reichen mucken auf. Auf Plakaten und in Sprechchören fordern Sie: „Besteuert uns endlich so, wie wir es verdienen!“ Und „lieber in sozialen Frieden investieren als den Ruin der freien Marktwirtschaft und des Finanzsystems riskieren!“ © Die Zeit
Bei strahlend blauem Himmel sind Sie zu hunderten als ein buntes Völkchen auf der Seepromenade von Starnberg unterwegs, wo sonst nur die Schönen und Reichen die neuesten Modekollektionen aus Paris oder Milano zur Schau stellen. Aber auch diese Gruppe ist heute hier zahlreich vertreten. Der sonst zu ihrer Garderobe passende leicht überhebliche Gesichtsausdruck ist heute einer erfrischen Lebendigkeit und engagierten Entschlossenheit gewichen, obwohl das in all den per Lifting gestrafften Gesichtszügen gar nicht so leicht zu erkennen ist.

Die Wochenzeitung die Zeit hatte vergangene Woche, am 17. Juni 2010, schon gemeldet:
„ Die Reichen seien bereit, ihren Beitrag zu leisten. Das ist auch das Ergebnis einer Studie, für die der Reichenforscher Thomas Druyen 500 Vermögende befragte. Demnach sind die Reichen in ihrer Bereitschaft zu geben weiter als erwartet. Drei Viertel der Befragten würden gern mehr Verantwortung übernehmen.“

Am Rande der Veranstaltung machte das Gerücht die Runde, dass ab nächsten Montag jede Woche eine Demo Kö auf der Münchner Maximilianstrasse und zeitgleich auf der Düsseldorfer Königsallee stattfinden werde, solange bis das Steuersystem die wirklich Vermögenden gerecht an den gewaltigen gesellschaftlichen Aufgaben beteilige. Der Slogan – dies sickerte bereits durch – werde dann „Wir sind das Geld!“ lauten. Wie das zu verstehen sei, das wollte vor der Kamera niemand kommentieren.