Die Schuldenkrise habe “globale Ausmaße” und sei eine Krise von “systemischer Dimension”. Sagt nicht irgendein Altkommunist, sondern der scheidende Chef der EZB, der Europäischen Zentralbank.
In Amerika gehen inzwischen Tausende auf die Straße, um gegen die ungebrochene Macht der Wall-Street zu demonstrieren.
Wann wachen wir auf?
Wahlplakat der PiratenparteiHierzulande erringen die Piraten in Berlin einen Überraschungserfolg, weil die anderen Parteien das Thema Internet verschlafen haben. Aber auch die Piraten verschlafen das Thema Finanzwelt, obwohl der Parteiname Hoffnung machen könnte. Alle reden von der Finanzkrise, aber kaum eine Analyse geht wirklich an die Prämissen des Systems: ungebremstes Eigentum und ungebremstes Wachstum.
Warum tritt keine Partei ernsthaft an, um den systemischen Mangel unseres Finanzsystems zu beheben? Oder ihn zumindest zum zentralen Thema zu machen. Alle schlafen. Hallo? Ist da wer?
Wäre es nicht an der Zeit, kollektiv aufzuwachen? Und anstatt unsere Energie in Protesten gegen vergleichsweise Lappalien wie Stuttgart 21 aufzureiben, uns auf das Wesentliche dessen zu fokussieren, was wirklich im Argen liegt? Woran geht die Welt zugrunde? It’s the economy, stupid!
Derweil tingelt eine Hamburger Ministerialreferentin für neureligiöse, ideologische Gemeinschaften und Psychogruppen, Ursula Caberta, durchs Land und warnt vor Yoga, Heilpraktikern und Waldorfschulen. Aber wer warnt uns vor der Staatsreligion? Nein, die christlichen Kirchen meine ich nicht.
Wann beenden wir den Tanz ums goldene Kalb, den im Finanzsystem immanenten, aber langfristig ruinösen Wachstumszwang? Deren Verfechter bilden nun ganz und gar keine neoreligiöse Gruppe, sondern sind die Hohepriester einer längst globalen Staatsreligion.
Leute, ich habe keine Lösung, aber es wäre doch mal an der Zeit, mindestens die richtigen Fragen zu stellen.

Oder was meinen Sie?

Herzliche grüßt

Saleem Matthias Riek